Unabhängige Prüfung der Sicherheit von Geräten, Software und vernetzten Systemen

Was ist eine Produkt-Cybersecurity-Zertifizierung?

Die Produkt-Cybersecurity-Zertifizierung ist ein formales, unabhängiges Bewertungsverfahren, das bestätigt, dass ein Produkt — Hardware, Software, Firmware oder vernetztes Gerät — die Sicherheitsanforderungen international anerkannter Standards und Vorschriften erfüllt. Sie belegt, dass das Produkt in Übereinstimmung mit spezifischen technischen Kontrollen konzipiert, entwickelt und getestet wurde, um Endnutzer, übertragene Daten und die angebundenen Infrastrukturen zu schützen.

Die Zertifizierung zeigt, dass die Produktsicherheit nicht allein vom Hersteller behauptet, sondern von akkreditierten Laboren und unabhängigen Stellen geprüft und bestätigt wird. Die Bewertung umfasst Aspekte wie die Widerstandsfähigkeit gegenüber bekannten Schwachstellen, Kommunikationssicherheit, Authentifizierungs- und Zugangskontrollmechanismen, Datenschutz, sichere Firmware-Aktualisierungen sowie den Umgang mit aufkommenden Bedrohungen über den gesamten Produktlebenszyklus.

Hersteller zertifizieren ihre Produkte nach anerkannten Standards wie Common Criteria (ISO/IEC 15408), FIPS 140, IEC 62443, ETSI EN 303 645 sowie den Cybersecurity-Anforderungen der EU-Funkanlagenrichtlinie (RED). Die Zertifizierung ermöglicht den Zugang zu regulierten Märkten, erfüllt Anforderungen öffentlicher und privater Beschaffung, reduziert das Risiko von Schwachstellen in vermarkteten Produkten und stärkt das Vertrauen von Käufern, Betreibern und Endnutzern.

Wichtige Produkt-Cybersecurity-Zertifizierungen: Nutzen und Zielgruppen

Die folgende Übersicht zeigt die wichtigsten Zertifizierungen und Programme, ihre geschäftlichen Vorteile sowie die jeweiligen Zielgruppen.

Zertifizierung / Programm Beschreibung Geschäftlicher Nutzen Zielgruppen
Common Criteria (CC) Internationaler Standard ISO/IEC 15408 für die formale Sicherheitsbewertung von IT-Produkten und -Systemen Globale Anerkennung, Eignung für öffentliche Beschaffung, hohe Sicherheitsgarantie, strukturierte Risikovalidierung Lieferanten der öffentlichen Hand, Rüstungsauftragnehmer, Anbieter sicherer IT, Infrastrukturanbieter
FIPS 140 NIST-verwaltete Validierungsstandards für kryptografische Module Bundeskonformität, kryptografische Absicherung, regulatorische Ausrichtung, Beschaffungszugang Regierungsauftragnehmer, Cloud-Anbieter, Fintech, Anbieter sicherer Software/Hardware
IoT Security-Zertifizierung Sicherheitsvalidierungsprogramme für vernetzte Geräte und IoT-Ökosysteme Gerätevertrauen, Marktdifferenzierung, reduziertes Angriffsrisiko, Verbrauchervertrauen IoT-Hersteller, Smart-Device-Unternehmen, industrielle IoT-Anbieter
PCI DSS Zahlungssicherheitsstandard des PCI Security Standards Council Betrugsprävention, regulatorische Konformität, Zahlungsvertrauen, Markenschutz Einzelhandel, E-Commerce, Fintech, SaaS-Zahlungsanbieter
(RED) – Cybersecurity-Anforderungen EU-regulatorische Cybersecurity-Anforderungen für vernetzte Funk-/Drahtlosgeräte EU-Marktzugang, rechtliche Konformität, sichere Konnektivität, Reduzierung regulatorischer Risiken Hersteller von Drahtlosgeräten, IoT-Unternehmen, Telekommunikationsausrüster
UL 2900 Cybersecurity-Testrahmen für Software und vernetzte Produkte Produktsicherheitsvalidierung, Schwachstellenreduzierung, Vertrauensnachweis, Lebenszyklusorientierte Sicherheit Medizinprodukte, Industriesysteme, Gebäudeautomation, vernetzte Produkte
IEC 62443 OT/ICS-Cybersecurity-Standard Schutz kritischer Infrastrukturen, OT-Sicherheitsgarantie, regulatorische Ausrichtung Energie, Versorgung, Fertigung, Öl & Gas, Transport
ETSI EN 303 645 Cybersecurity-Standard für Consumer-IoT Secure-by-Design-IoT, regulatorische Bereitschaft, Verbrauchervertrauen Smart Home, Unterhaltungselektronik, IoT-Gerätehersteller

Häufige Fragen zur Produkt-Cybersecurity-Zertifizierung

In einem zunehmend vernetzten und regulierten Markt muss die Sicherheit eines Produkts nachweisbar sein — nicht nur behauptet. Die Cybersecurity-Zertifizierung bietet eine unabhängige Drittprüfung, dass das Produkt international anerkannte Sicherheitsstandards erfüllt, bevor es in Verkehr gebracht wird.

Die Zertifizierung ermöglicht es:

  • Regulierte Märkte zu erschließen, da Behörden, Betreiber kritischer Infrastrukturen und Großunternehmen zertifizierte Produkte für ihre Beschaffung voraussetzen
  • Regulatorische Konformität sicherzustellen, z. B. gegenüber der EU-RED, dem Cyber Resilience Act und branchenspezifischen Standards
  • Schwachstellenrisiken zu reduzieren durch systematische technische Bewertung vor dem Markteintritt
  • Vertrauen aufzubauen bei Kunden, Partnern und Aufsichtsbehörden durch ein glaubwürdiges Bekenntnis zu Security by Design
  • Sich vom Wettbewerb abzuheben, indem zertifizierte Sicherheit als Differenzierungsmerkmal und Wettbewerbsvorteil positioniert wird

Mit der Produkt-Cybersecurity-Zertifizierung von Intertek werden Herstellerangaben in geprüfte Garantien umgewandelt — für sichere, konforme und international wettbewerbsfähige Produkte.

Die technische Bewertung umfasst die wesentlichen Sicherheitsbereiche des Produkts: Widerstandsfähigkeit gegenüber bekannten Schwachstellen und Angriffsvektoren, Kommunikations- und Netzwerkprotokollsicherheit, Authentifizierungs- und Zugangsverwaltungsmechanismen, Datenschutz und Verschlüsselung, Firmware-Sicherheit und Update-Prozesse sowie Protokollierung sicherheitsrelevanter Ereignisse. Die Bewertungskriterien variieren je nach Referenzstandard und Produkttyp.

Die Zertifizierung ist für alle relevant, die Produkte mit digitalen Komponenten oder Netzwerkkonnektivität entwickeln, herstellen oder vertreiben: Hersteller von Consumer- und Industrial-IoT-Geräten, Anbieter von Hardware und Software für kritische Infrastrukturen, Hersteller von Funk- und Telekommunikationsgeräten, Lieferanten von Systemen für Medizin, Energie, Fertigung und Transport sowie Entwickler kryptografischer Module und Sicherheitskomponenten. Wer ein Produkt auf den Markt bringt, das Daten verarbeitet, sich mit Netzwerken verbindet oder mit kritischen Systemen interagiert, hat ein begründetes Interesse — und häufig eine regulatorische Verpflichtung — dessen Sicherheit zertifizieren zu lassen.

Änderungen am Produkt — an Hardware, Software oder Firmware — können die Gültigkeit der erteilten Zertifizierung beeinflussen. Wesentliche Änderungen können die bestehende Zertifizierung ungültig machen, da die aktualisierte Version das geprüfte Sicherheitsprofil verändern kann.

  • Geringfügige Updates/Patches: erfordern in der Regel keine vollständige Neuzertifizierung, können jedoch zusätzliche Dokumentation oder eine eingeschränkte Überprüfung durch die Zertifizierungsstelle erfordern
  • Wesentliche Änderungen: neue Funktionen, architektonische Anpassungen oder Änderungen an Sicherheitsmechanismen erfordern üblicherweise eine erneute Bewertung oder vollständige Neuzertifizierung
  • Regulatorische Auswirkungen: in Sektoren wie Medizin, Industrie und Consumer-IoT kann die fehlende Anpassung der Zertifizierung nach einem Update zu Sanktionen oder dem Rückzug vom Markt führen

Es wird empfohlen, die zuständige Zertifizierungsstelle vor der Veröffentlichung wesentlicher Aktualisierungen einzubeziehen, um die Kontinuität der Konformität und die Gültigkeit der Zertifizierung zu gewährleisten.